Lula wusste, dass etwas nicht stimmte, noch bevor sie die Augen aufmachte.
Normalerweise wachte sie von ihrer Muschel auf. Nicht weil sie ein Geräusch machte — Zaubermuscheln sind still. Aber wenn morgens das erste Licht durch die hohen Fenster des Perlenpalasts fiel, dann wurde die goldene Muschel an ihrem Hals warm. Nicht heiss. Nur warm, so wie eine Hand warm ist, die man im Schlaf hält.
Jeden Morgen. Seit sie sieben war.
Heute war sie kalt.
Lula setzte sich auf. Ihre Kammer im Westturm war die kleinste von allen, weil sie die Jüngste war, und sie war lila, weil sie sich das mit sechs so gewünscht hatte und weil man in einem Palast Dinge nicht einfach umstreicht, nur weil man inzwischen siebzehn ist. Durch das Fenster kam das Morgenrauschen der Perlenstadt herein: das Klappern vom Riffmarkt, das ferne Pfeifen von Torvs Muschel, irgendwo unten jemand, der seine Kinder rief.
Sie nahm die Muschel in beide Hände.
Sie sah aus wie immer. Golden, mit den feinen Rillen, die vom Rand zur Mitte liefen, und der kleinen Kerbe an der Seite, die davon kam, dass Lula sie mit elf einmal hatte fallen lassen, worüber Oma Lilo drei Tage lang nicht mit ihr gesprochen hatte.
Sie leuchtete nicht.
Lula hielt sie ins Licht. Sie schüttelte sie, was albern war, aber man macht so etwas. Sie hauchte sie an.
Nichts. Sie lag in ihren Handflächen wie ein Stein, den man am Strand aufhebt und dann doch nicht mitnimmt.
„Luna?", rief sie.
Keine Antwort. Dafür klopfte es dreimal kurz an der Wand — Lailas Zeichen für Ich komme, warte.
Zwei Sekunden später war Laila da, und sie hatte offensichtlich auch gerade erst die Augen aufgemacht, weil ihre honigbraunen Haare aussahen, als hätte eine Strömung darin übernachtet. Hinter ihr schob sich Diana durch die Tür, die Meerkatze mit der Regenbogenflosse, und machte das verschlafenste Gesicht des ganzen Ozeans.
„Was ist los?"
Lula hielt die Muschel hoch.
Laila brauchte einen Moment. Dann wurde ihr Gesicht anders. Sie kam ganz nah, nahm ihre eigene Muschel — die Regenbogenmuschel, die sofort zu glühen anfing, weil zwei Zaubermuscheln nebeneinander immer aufeinander reagieren — und hielt sie daneben.
Lulas blieb dunkel.
„Kann sie kaputtgehen?", fragte Lula leise.
„Nein", sagte Laila.
Und dann, weil sie ihre kleine Schwester noch nie angelogen hatte und heute nicht damit anfangen wollte:
„Ich glaube, nein."
• • •
Beim Frühstück tat Lula so, als wäre nichts.
Das war schwerer, als es klingt, weil im Perlenpalast morgens alle am selben Tisch sassen und weil dieser Tisch nicht besonders gross war für sechs Kinder, zwei Eltern und zwei Grosseltern, von denen einer schlecht hörte und der andere alles kommentierte.
„Du isst nichts", sagte Königin Lorelei.
„Ich habe keinen Hunger."
„Sie hat immer Hunger", sagte Loran, ohne aufzusehen.
„Loran."
„Ich sag ja nur."
Am anderen Tischende erzählte Opa Lambi gerade zum dritten Mal in dieser Woche die Geschichte, wie er als junger Strömungswächter eine ganze Woche vorhergesagt hatte, die dann tatsächlich genau so eingetroffen war. König Larimar hörte zu und nickte an den richtigen Stellen, was ein sicheres Zeichen dafür war, dass er in Gedanken woanders war. Er hatte in den letzten Wochen oft dieses Gesicht.
Oma Lilo sagte gar nichts. Aber sie schaute Lula an, einmal, ganz kurz — und Lula wusste sofort, dass ihre Grossmutter es gemerkt hatte.
In der Wiege neben dem Fenster wachte Lulu auf, stellte fest, dass ihr Schnuller noch da war, und schlief wieder ein.
„Ich muss los", sagte Luna und stand auf.
„Du musst nirgendwohin", sagte die Königin. „Es ist Sonntag."
„Ich muss trotzdem."
Und weg war sie.
• • •
Luna fand man am Morgen immer an derselben Stelle: auf dem obersten Balkon des Westturms, wo die Strömungsstrasse ganz nah vorbeizog.
Sie sass da und schaute zu, wie der Verkehr sich sortierte. Unten pfiff Torv auf seiner Muschel — ein langer Ton für die schnelle Spur, zwei kurze für die langsame — und Phoebe drehte über ihm Runden, weil sie es nicht aushielt, still zu warten. Ein Delfin, der warten muss, ist ein trauriger Anblick.
Lula setzte sich neben sie.
„Ich weiss schon", sagte Luna.
„Woher?"
„Laila hat es mir gesagt. Vor einer Stunde." Luna schaute weiter geradeaus. „Sie war heute Morgen schon dreimal bei mir und hat gefragt, ob ich irgendwas tun kann."
Lula spürte etwas in der Brust, das sie nicht mochte.
„Sie hätte mir sagen können, dass sie zu dir geht."
„Ja."
„Sie regelt immer alles über meinen Kopf hinweg."
„Ja", sagte Luna wieder. Und dann, weil sie selten viel sagte, aber wenn, dann das Richtige: „Sie macht das, weil sie Angst hat. Nicht weil sie dich für klein hält."
Lula schwieg eine Weile.
„Und? Kannst du etwas tun?"
Luna streckte die Hand aus. „Zeig her."
Sie drehte die goldene Muschel im Licht, hielt sie ans Ohr, roch sogar daran. Dann legte sie ihre eigene rote Muschel daneben und schloss die Augen.
Der Finde-Zauber war eigentlich das Einfachste, was Luna konnte. Man fragte nach etwas, und die Muschel zeigte, wo es war. Sie benutzte ihn, seit sie sechs war, um Lula zu finden, wenn Lula sich versteckt hatte, was Lula ständig getan hatte.
Luna machte die Augen auf, und sie sahen anders aus als sonst.
„Ich finde sie", sagte sie.
„Sie ist doch hier. In deiner Hand."
„Ich weiss." Luna hob den Arm und zeigte. Über den Balkon hinaus, an den sieben Türmen vorbei, über die Dächer der Perlenstadt hinweg — nach unten und nach Westen. „Der Zauber zeigt trotzdem irgendwohin. Und zwar dahin."
Lula folgte ihrem Arm mit dem Blick, und ihr wurde kalt.
„Das ist unser Muschelhaus."
„Das ist euer Muschelhaus", sagte Luna. „Und deine Muschel war heute Nacht nicht mit dir hier oben."
• • •
Auf dem Weg nach unten kam ihnen Fritzi entgegen, und Fritzi kam nie einfach nur entgegen. Fritzi kam angeschossen.
„Guten Morgen! Wusstet ihr, dass Frau Perlmutt heute den Stand nicht aufgebaut hat? Zum ersten Mal seit — seit — na jedenfalls seit langem! Und sie sagt, es sei wegen dem Rücken, aber ich sage, das ist wegen Herrn Krabb, weil er gestern gesagt hat, ihre Ketten seien überteuert, und da hat sie gesagt —"
„Fritzi."
„Ja?"
„Hast du heute Nacht jemanden beim Muschelhaus gesehen?", fragte Luna.
Der Goldfisch bremste mitten in der Bewegung. Seine orangegoldenen Schuppen fingen das Licht, und für einen Moment schwieg er tatsächlich.
„Beim Muschelhaus", wiederholte er. „Nein. Warum?"
„Nur so."
„Ich war gestern Abend gar nicht dort. Ich bin nach dem Riffmarkt direkt nach Hause." Fritzi schaute von einer zur anderen. „Was ist denn los? Ist etwas los? Wenn etwas los ist, muss ich das wissen, ich bin schliesslich —"
„Es ist nichts los", sagte Lula.
„Wenn wirklich nichts los wäre", sagte Fritzi würdevoll, „würdet ihr nicht beide so schauen."
Und damit hatte er recht, was ihn selbst am meisten überraschte.
• • •
Loran wartete schon in der Halle, den Dreizack über der Schulter.
„Wer hat es dir gesagt?", fragte Laila.
„Niemand." Er zuckte mit den Schultern. „Du machst ein Gesicht. Also gehen wir irgendwohin."
Sie schwammen zu viert hinaus, quer durch die Perlenstadt. Es war Sonntagvormittag, und die Gassen zwischen den Muschelhäusern waren voll: Kinder, die sich zwischen den Korallentürmen jagten, eine Nachbarin, die ihr Dach mit neuen Anemonen bepflanzte, zwei alte Meermänner, die auf einer Steinbank sassen und über nichts stritten.
Am Riffmarkt sass Frau Perlmutt tatsächlich ohne Stand vor ihrer Tür und rief ihnen zu, dass die Kette, die Laila trage, ihr hervorragend stehe. Laila trug nur ihr Halsband, so wie immer.
„Danke!", rief sie zurück.
Dann wurden die Häuser weniger. Dann kam der Rand der Stadt.
Und dann lag es da.
Das Muschelhaus. Eine riesige, wunderschöne Muschel im hellen Sand, in der sie alle aufgewachsen waren, bevor die Familie in den Palast gezogen war. Innen schimmerte immer noch das Perlmutt. Auf dem Dach wuchsen die Anemonen, die sich schlossen, wenn ein Fremder kam, und öffneten, wenn eine der Schwestern näher schwamm.
Heute blieben sie zu.
Alle vier hielten an.
„Sie kennen uns", sagte Lula.
„Sie kennen uns", bestätigte Laila. „Also ist da drin gerade jemand, den sie nicht kennen."
Loran nahm den Dreizack von der Schulter. Ohne ihn konnte er fast nichts. Mit ihm reichte seine Magie weiter als Lailas — langsamer, aber weiter.
„Ich gehe zuerst."
„Nein", sagte Laila. „Wir gehen zusammen."
Und weil sie das gesagt hatte, gingen sie zusammen.
• • •
Im Muschelhaus war niemand.
Es roch nach nichts Besonderem, was seltsam war, denn eigentlich roch es hier immer nach dem Seegras, das früher in der Küche gelagert hatte. Der grosse Raum lag still da. Die Perlmuttwände warfen das Licht in weichen Flecken an die Decke, so wie sie es immer getan hatten, wenn Lula abends nicht einschlafen konnte und sie angeschaut hatte, bis sie es doch tat.
Nichts fehlte. Nichts war umgeworfen.
Aber in Lulas alter Kammer — der lila Kammer mit dem Seegrasbett, das sie beim Umzug nicht hatte mitnehmen wollen — lag der Sand nicht flach.
Er lag in einem Kreis.
Als hätte jemand lange an derselben Stelle gesessen und dabei mit einem Finger Kreise gezogen. Immer wieder. Stunde um Stunde.
Und mitten in dem Kreis lag eine Muschel.
Sie war klein. Sie war grau. Sie war nicht schön und nicht hässlich, sondern einfach nur grau, so wie Steine grau sind, an denen man vorbeischwimmt, ohne sie anzuschauen.
„Die gehört keinem von uns", sagte Loran.
Lula bückte sich danach.
„Nicht anfassen", sagte Laila — zu spät.
Lulas Finger berührten die graue Muschel.
Nichts passierte. Kein Blitz, kein Licht, kein Geräusch. Sie war nur kalt. Kälter, als Wasser sein sollte, so kalt, dass es in den Fingerspitzen wehtat.
Und in genau demselben Moment wurde die goldene Muschel an Lulas Hals warm.
Lula schrie auf, mehr vor Schreck als vor Schmerz, und liess die graue Muschel fallen.
Sie fiel in den Sand. Sie blieb liegen. Alle vier starrten sie an und warteten darauf, dass sie irgendetwas tat.
Sie tat nichts.
• • •
Sie brachten beide Muscheln in den Palast — die goldene und die graue — und sie brachten sie zu der Einzigen, die dazu etwas sagen konnte.
Die Perlenkammer lag im Herzen des Palasts, und man musste an zwei Wachen der Tintenfisch-Garde vorbei, um hineinzukommen. Hauptmann Tinto liess sie durch, ohne eine Miene zu verziehen, was daran lag, dass er noch nie in seinem Leben eine Miene verzogen hatte.
Drinnen war es fast dunkel. In der Mitte des Raumes schwebte die grösste Perle des Ozeans und gab ein ruhiges Licht ab, das nicht flackerte. Davor sass Oma Lilo, winzig klein, mit ihrer grauen Flosse, die im Halbdunkel silbern schimmerte.
Die vier legten die goldene Muschel vor sie hin.
„Sie leuchtet wieder", sagte Lula. „Aber dunkler als vorher."
Oma Lilo nahm sie in ihre kleinen Hände und drehte sie ins Perlenlicht. Sie sagte lange nichts. Man hörte nur das Summen der grossen Perle, das man erst bemerkte, wenn alles andere still war.
Dann gab sie sie zurück.
„Sie ist müde", sagte sie. „Nicht kaputt."
„Wovon denn müde?"
„Davon, dass jemand sie ausprobiert hat."
Oma Lilo sagte es so ruhig, wie man sagt, dass es später regnen wird.
„Muscheln merken sich, wer sie trägt, Lula. Von Anfang an. Und deine hat heute Nacht gemerkt, dass jemand anders sie in der Hand hielt und darauf gewartet hat, dass sie für ihn leuchtet." Sie strich mit dem Daumen über die kleine Kerbe an der Seite. „Das strengt eine Muschel an. Sie muss sich entscheiden. Und sie hat sich für dich entschieden — sonst wäre sie jetzt nicht mehr da."
Laila spürte, wie ihr die Nackenschuppen kalt wurden.
„Wer war das?"
Und dann legte Lula die zweite Muschel dazu. Die graue.
Oma Lilo rührte sich nicht.
Sie schaute sie nur an, und Laila — die ihre Grossmutter ihr ganzes Leben lang kannte, die wusste, wie sie schaute, wenn sie schimpfte, wenn sie stolz war, wenn sie ein Muschelbonbon versteckte — sah etwas in ihrem Gesicht, das sie dort noch nie gesehen hatte.
Oma Lilo hatte Angst.
Es dauerte nur einen Wimpernschlag. Dann lächelte sie wieder, so wie immer.
„Lasst sie hier", sagte sie. „Ich passe darauf auf."
„Aber was ist das?", fragte Lula.
„Eine Muschel, die ihre Farbe nie bekommen hat." Oma Lilo legte sie in ein Fach ganz hinten im Regal. „Mehr weiss ich auch nicht."
Und das war das erste Mal in Lailas Leben, dass sie ganz sicher wusste: Ihre Grossmutter sagte nicht die Wahrheit.
• • •
Am Abend sassen die drei Schwestern auf dem Balkon, wo Luna morgens immer sass.
Unten in der Perlenstadt gingen die Lichter an, eins nach dem anderen, in hunderten Muschelhäusern. Die Strömungsstrasse war leer. Torv hatte längst Feierabend.
„Sie leuchtet zu dunkel", sagte Lula und schaute auf ihre Muschel. „Was, wenn sie morgen noch dunkler ist? Und übermorgen noch dunkler?"
„Dann finden wir eine Lösung", sagte Laila.
„Du sagst immer, dass wir eine Lösung finden."
„Weil wir immer eine gefunden haben."
„Nein." Lula drehte sich zu ihr um, und ihre Stimme war fester, als Laila sie kannte. „Du hast immer eine gefunden. Und dann hast du es uns hinterher erzählt."
Es wurde still auf dem Balkon.
Laila machte den Mund auf. Machte ihn wieder zu.
„Das stimmt", sagte sie schliesslich.
„Ich bin siebzehn, Laila."
„Ich weiss."
„Und es ist meine Muschel."
„Ich weiss." Laila schaute auf ihre Hände. „Ich mache es nicht, weil ich dich für klein halte. Ich mache es, weil —"
Sie brach ab.
„Weil du Angst hast", sagte Luna, ohne den Blick von der Stadt zu nehmen. „Das habe ich ihr heute Morgen schon gesagt."
Laila lachte kurz auf, und es klang ein bisschen kaputt.
„Ihr redet also über mich."
„Ständig", sagte Luna.
Und dann sassen sie eine Weile nebeneinander, und irgendwann legte Lula den Kopf an Lailas Schulter, so wie sie es mit sechs gemacht hatte, und keine von ihnen sagte etwas dazu.
• • •
Es war Lula, die auf die Idee kam.
„Haltet eure Muscheln an meine."
„Warum?", fragte Laila.
„Weil Mama seit wir klein sind sagt, dass zusammen stärker ist als allein." Lula hob die goldene Muschel. „Vielleicht meint sie das nicht nur nett. Vielleicht meint sie es genau so, wie sie es sagt."
Luna zögerte keine Sekunde. Laila brauchte etwas länger — und merkte, während sie zögerte, dass sie zögerte, weil sie die Idee nicht selbst gehabt hatte, und schämte sich ein bisschen dafür.
Dann hielten sie ihre drei Muscheln aneinander. Regenbogen, Rot, Gold.
Zuerst passierte nichts.
Dann ging über dem Balkon des Perlenpalasts ein Licht an, wie es im Laslantischen Ozean noch nie jemand gesehen hatte. Kein weisses Licht und kein blaues. Ein Regenbogen, der ruhig in der Strömung stand, so als hätte er schon immer dort gestanden und nur darauf gewartet, dass ihn endlich jemand einschaltet. Er tauchte alle drei Schwestern in Farben, die es unter Wasser eigentlich gar nicht gibt.
Es dauerte drei Sekunden.
Dann war es weg.
Und Lulas Muschel leuchtete wieder golden. Richtig golden. So wie immer.
Die drei sagten eine ganze Weile gar nichts.
„Habt ihr das gesehen?", flüsterte Lula endlich.
„Das haben alle gesehen", sagte Luna und zeigte nach unten.
In der ganzen Perlenstadt standen Meerjungfrauen vor ihren Muschelhäusern und schauten hinauf zum Palast. Am Riffmarkt hatte jemand eine Laterne fallen lassen. Frau Perlmutt stand mit offenem Mund in ihrer Tür. Und Fritzi war schon unterwegs, in vier Richtungen gleichzeitig, so schien es jedenfalls.
Hinter ihnen ging die Tür auf.
Königin Lorelei stand im Rahmen und sagte kein Wort. Sie schaute nur ihre drei Töchter an, und in ihrem Gesicht war Stolz und noch etwas anderes, das keine von ihnen benennen konnte.
Ganz hinten in der Perlenkammer, in einem Fach im hintersten Regal, wurde eine kleine graue Muschel für einen Moment warm.
Niemand sah es.
• • •
Weit unten, tiefer als jedes Licht reicht, sass jemand im Dunkeln und hörte, wie das Wasser sich veränderte.
Er hob den Kopf.
„Sie können es also", sagte er, und seine Stimme klang wie etwas, das kratzt. „Nach all den Jahren können sie es."
Neben ihm zuckten zwei Muränen zusammen.
„Was denn, Chef?", fragte Zisch.
„Ist irgendwas?", fragte Zasch.
Aber er antwortete nicht. Er schaute nach oben, dorthin, wo ganz weit weg ein Rest von Farbe durch das schwarze Wasser sickerte, und er tat etwas, das die beiden noch nie bei ihm gesehen hatten.
Er lächelte.
„Chef?", sagte Zisch vorsichtig.
Der schwarze Meermann hob die Hand und zog mit einem Finger einen Kreis in den Sand.
Ende von Folge 1